Eine Definition Reinheit der Absicht bedeutet: wahrhaftig, ehrlich, unvermischt und ganz rein zu sein; sich von Heuchelei fernzuhalten; allem zu widerstehen, was das Herz trüben könnte; innere Sammlung bzw. Herzensklarheit zu wahren; in der Beziehung zu Gott frei von weltlichen Hintergedanken zu bleiben und Ihm in voller Treue zu dienen. Des Weiteren bedeutet es, dass der Mensch sich in seinem Gottesdienst und seinen Taten allem verschließt, was nicht zu Gottes Geboten, Willen und Gaben gehört; dass der Diener in seiner Beziehung zu seinem angebeteten Herrn Diskretion wahrt und alles so tut, als lege er es der Prüfung Gottes vor. Anders gesagt: Er erfüllt seine Pflichten, weil Gott sie befohlen hat, zielt dabei auf Sein Wohlgefallen und richtet sich auf Seine jenseitigen Zuwendungen aus – ein Kennzeichen der reinsten Wahrhaftigen. Die Reinheit der Absicht und die Aufrichtigkeit sind wie Seele und Körper zwei Wesen, die einander ergänzen. In der Handlung sind sie wie die Lebenskraft im Körper. Wenn ein Mensch in seinen Taten bzw. Absichten keine Reinheit hat, bleiben seine Werke wie ein lebloser Körper. Selbst wenn jemand alle geistigen Stationen durchschreitet, bleibt er am Tor des göttlichen Wohlgefallens stehen und kommt nicht weiter. An jener entscheidenden Stufe werden die Taten einem wie ein Lumpen ins Gesicht geschleudert – möge Gott uns davor bewahren! Denn die Annahme der Taten durch Gott hängt ganz von der Reinheit ab. Wie Bediüzzaman sagt: „Ein Teilchen einer Tat mit Reinheit der Absicht ist Lasten an nicht reinen Taten vorzuziehen. “ Der Mensch sollte bei allem die Reinheit der Absicht wahren; beim Sitzen und Aufstehen, beim Denken, beim Sprechen und sogar beim Lieben. Wird in einer Sache Gottes Wohlgefallen zum Maßstab genommen, gibt das dem Diener Kraft; denn durch die Reinheit der Absicht stützt er sich auf Gott. Und wer sich in allem auf Gott stützt, wird unüberwindbar.

Konkrete Verse zur Verdeutlichung Im Koran wird an vielen Stellen betont, dass der Gottesdienst einzig um Gottes willen zu verrichten ist. Das Thema wird dabei mit dem Begriff der Reinheit der Absicht“ (ihlās) verknüpft. So heißt es gleich zu Beginn der Süre Ez-Zumar: ,,[…] darum bete Gott an, mit reinem Glauben an Ihn und reiner Absicht, und praktiziere die Religion einzig und allein um Seinetwillen.“ (39:2). Kurz darauf: „Mir ist geboten worden, Gott anzubeten, mit reinem Glauben an Ihn und reiner Absicht, und die Religion ausschließlich um Seinetwillen zu praktizieren.“ (39:11). Und weiter: Sprich: Ich bete Gott an, mit reinem Glauben an Ihn und reiner Absicht, die Religion ausschließlich um Seinetwillen zu praktizieren.“ (39:14)
Die wichtigste Voraussetzung für göttlichen Beistand Der verehrte Meister, Bediüzzaman, fasst das Thema in zwei Abhandlungen zusammen. Sein erster Grundsatz, um die Reinheit der Absicht zu erlangen: Bei allen Taten ist Gottes Wohlgefallen das Ziel. Das heißt: Wer die gebotenen Dinge erfüllt, soll weder weltliche noch jenseitige Erwartungen hegen, sondern ausschließlich Gottes Wohlgefallen als eigentlichen Zweck nehmen. Stellen sich am Ende der Mühe dennoch Früchte oder Belohnungen ein, begegnet man ihnen mit Dank und Lobpreis – man versteht sie als tahdis-i nimet“, also als Anlass, die empfangenen Gaben Gottes dankbar zu benennen. Die Reinheit der Absicht, die in unserem religiösen Leben so große Bedeutung hat, hängt im Grunde direkt von der Stärke des Glaubens ab. Wenn ihr also die schöpfungsbezogenen bzw. Gottes Gesetze in der Schöpfung (tekvînî) und die offenbarten Gebote (die Gebote und Verbote der Religion) lest, den Weg vom nachgeahmten zum überprüften, verinnerlichten Glauben öffnet und euch zugleich mit Wort, Tat und innerer Haltung beständig Gott zuwendet, dann entfacht Gott eines Tages auch die Fackel der Reinheit der Absicht. So werdet ihr mit Gottes Erlaubnis und Hilfe das, woran ihr glaubt, stets mit reiner Absicht leben können. Die eigene Selbstdarstellung zu bändigen, die eigenen Fehler zu sehen, bei jedem „Ich/Ego“ sofort um Vergebung zu bitten, die Regungen zu korrigieren – ja, notfalls den eigenen Egoismus entschlossen niederzuringen -, all das hängt damit zusammen, dass die Gewissheit im Glauben wächst und man sich fest auf die Reinheit der Absicht ausrichtet.
Anmerkung
- Bediüzzaman: Reflexionen, 17. Reflexion.







